Interessiert Euch Jungs Politik?

Servus Jungs,

ich weiss, ich dürfte hier gar keine Frage stellen, da ich selbst ein Junge bin. Ich habe diese Frage hier gerade bei Girlstalk an die Mädels gestellt und mich interessiert auch Eure Meinung dazu.

Vorgeschichte: Ich hatte gestern einen Streit mit einem Freund über Politik. Er meinte, er interessiere sich nicht dafür, weil sich eh nie etwas ändern würde. Als ich ihn daraufhin als ignorant angemault habe, ist der Streit eskaliert. Wir haben daraufhin kein Wort mehr miteinander gewechselt.

Wie steht ihr denn zu Politik? Habt ihr schon eine Grundrichtung, die ihr wählt (z.B. CSU/CDU oder FDP auf der einen Seite oder SPD/GRÜNE/Die Linke auf dem etwas linkeren Ufer – ich weiss, das geht niemanden etwas an, deshalb interessiert mich nur, ob ihr eine Tendenz zu konservativ oder links habt)? Geht ihr zur Wahl oder lasst ihr es bleiben?

Ich freu mich auf Eure Meinungen, Rokko

9 Antworten zu “Interessiert Euch Jungs Politik?

  1. Copstopper

    Ja, hab ein recht intensives Interesse an Politik. Grundausrichtung: undogmatisch Links (mit klarer Distanz zur gleichnamigen Partei). Würde Deinem Freund auch engegenhalten, dass sich durchaus eine ganze Menge ändert und zwar häufig nicht gerade zum Besseren, was ein Grund mehr ist aktiv zu werden.
    Wahlbeteiligung bei der aktuellen EU-Wahl ist schwierig. Zwar muss man schon klar sehen, dass das zu wählende Parlament im Wesentlichen als demokratisches Feigenblatt für die eigentlich entscheidende Komission fungiert, deren Entscheidungen iA national orientiert und einer neo-liberalen Programmatik verpflichtet sind, deren Folgen dann die Entwicklungsländer ausbaden dürfen. Die Unterstützung dieses Konstrukts durch Beteiligung ist also eigentlich ethisch nicht vertretbar, andererseits macht eine Enthaltung strukturelle Änderungen nicht gerade wahrscheinlicher.
    Bei der kommenden Bundestagswahl sind die Dinge, wie etwa vorabverteilite Listenplätze der Parteien, die aus demokratietheoretischer Sicht hochgradig fragwürdig sind, noch etwas komplexer. Bin daher noch nicht ganz schlüssig, befürchte aber, dass am Ende die Erkenntnis stehen wird, dass die BRD einem streng gefassten Demokratiebegriff nicht mehr gerecht werden kann, was dann auf Enthaltung hinauslaufen würde. Daneben bliebe dann noch die grundlegende Legitimiät von Repräsentation zu klären…

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  2. Copstopper

    Zu Deiner Aussage das ginge niemanden was an. Sehe ich nicht so! Wenn Du Politik zur Privatsache erklärst, ist das das Ende jeder Politik die von Diktatur und Monarchie abgrenzbar ist, weil jede Form von Deliberation unmöglich wird.

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  3. Bollo

    Ich interessiere mich für Politik und wählen ist eine Bürgerpflicht! Gerade in Zeiten, in denen immer mehr über die gegenwärtigen Zustände gemault wird, sollten die Menschen auch ihren Hintern hochbekommen und sich in die Wahllokale begeben.
    Wenn sie selbst dazu zu faul sind, gibt es ja sogar noch die Möglichkeit einer Briefwahl.
    Gewählt habe ich bereits und zwar weder rechts noch links!

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  4. Copstopper

    @Bollo: “…wählen ist eine Bürgerpflicht” hört sich für mich mal wieder stark nach deutscher Untertanenmentalität an. Man geht halt hin um dem sozialen Erwartungsdruck gerecht zu werden, völlig unabhängig davon dass das Ergebnis durch die bestehenden Strukturen in weiten Teilen schon vorab festgelegt wurde. Derartigen Umständen die Legitimation zu verweigern hat mE nichts mit Faulheit sondern mit Kentniss und Wertschätzung echter Demokratie zu tun.

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  5. 24Tim

    @Copstopper: Wie erklärst Du Dir dann das Verhalten von Völkern auf der Welt, die bereit sind, für die Demokratie ihr Leben zu lassen? Sind die einfach nur nicht weitblickend genug, um zu verstehen, dass sich ihre Wertschätzung hin zur Demokratie in einem nächsten Schritt eh nur in einem Nicht-Gebrauch ihres Wahlrechts niederschlagen wird?! Oder haben sie – falls sie davor in einer Diktatur lebten – einfach nur Pech mit dem Diktator gehabt, der sich vällig überraschend nicht als der gütige Leviathan, sondern als egozentrischer Verrückter entpuppt hat?!

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  6. Bollo

    @Copstopper: Ich kann Deiner These, das sei eine deutsche Untertanenmentalität wirklich nichts abgewinnen. Die Teilnahme an einer Wahl ist ein Schwerpunkt der politischen Partizipation.
    Und die Möglichkeit der politischen Partizipation eines Bürgers ist eines der wertvollsten Güter, welches ein politisches System hervorbringen kann. In meinem Fall ging ich nicht zur Wahl um danach sagen zu können, dass ich gewählt habe, sondern um tatsächlich an einer politischen Kultur in unserem Lande und in Europa teilzunehmen.

    Dass das Ergebnis im Vorhinein bereits festgelegt wurde, wie Du meintest, ist für mich nichts anderes als typisches Stammtischgeschwätz von frustrierten altklugen Versagener, die keine Wertschätzung für die Strukturen haben, in denen wir leben.

    Europa ist wichtig und in keinster Weise das, was die Medien suggerieren. Die EU schafft eklatant wichtige Strukturen, um Europa politisch wie wirtschaftlich zu vereinen – mit dem Ziel, es global wettbewerbsfähig zu machen.
    Wir profitieren von Europa durchaus mehr, als uns bewusst sein mag.

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  7. 24Tim

    Ich sehs wie Bollo. So optimistisch, dass man meint, dass jede Stimme zählt, muss man in einer Demokratie einfach sein. Eine Grundtendenz sollte auch jeder haben, z.B. Links oder Konservativ.

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  8. Copstopper

    @Bollo: Hätte mir gewünscht, dass das mein Kommentar etwas genauer gelesen wird, war evtl. auch nicht eindeutig genug. Also nochmal:
    Ich bin definitiv für Partizipation, auch sehr weitgehend über eine Wahl hinaus, allerdings unter der Voraussetzung eines ergebnissoffenen Prozesses und nicht unter den Vorzeichen einer Scheindemokratie weil es halt Bürgerpflicht ist und man ja nicht von der Norm abweichen will. Überleg mal ob die Besetzung unserere Parlamente dieselbe wäre, wenn nicht nach Liste gewählt würde. So viel zum Stammtisch, und nein, Strukturen die mich für unfähig halten meine Interessen auch nur punktuell selbst vertreten zu können (Volksentscheid), kann ich wirklich nicht sehr viel Wertschätzung entgegenbringen. (Mich als Versager zu bezeichnen, nur weil ich die Dinge etwas kritischer betrachte als Du, finde ich übrigens nicht sehr nett.)
    Meine Haltung zum Demokratiedefizit in der EU habe ich bereits weiter oben zum Ausdruck gebracht.

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